Fluglotsen-Mythen im Check: Was wirklich stimmt!
Ausbildung Fluglotse

31 März 2026

Fluglotsen-Mythen im Check: Was wirklich stimmt!

Klischee oder Wahrheit?

Wenn ich erzähle, dass ich Fluglotsin bin, bekomme ich oft ähnliche Reaktionen, die häufig von Klischees geprägt sind. Einige davon möchte ich heute für euch genauer unter die Lupe nehmen.

„Das Auswahlverfahren ist total schwierig“

Das Auswahlverfahren in Hamburg ist definitiv herausfordernd, aber das muss es auch sein. Im Berufsleben ist man immer wieder mit stressigen Situationen konfrontiert und muss einen kühlen Kopf bewahren und konzentriert bleiben können. In Hamburg wird somit unter anderem eure Stressresistenz getestet und das Wichtigste ist, dass ihr euch nicht aus der Ruhe bringen lasst. Ich weiß natürlich, dass ist viel leichter gesagt als getan, aber versucht euch nicht an anderen Teilnehmenden zu orientieren und mit ihnen zu vergleichen. Ihr steht beim Auswahlverfahren in keiner Konkurrenz zueinander und wenn ihr alle geeignet sein solltet, nehmen sie jeden von euch.

Auch die Psycholog*innen, mit denen ihr im weiteren Verlauf des Bewerbungsprozesses zu tun habt, sind alle freundlich. Hier hat es mir geholfen vor Augen zu führen, dass das Auswahlverfahren für beide Seiten wichtig ist und die DFS bzw. stellvertretend das DLR, euch einfach kennenlernen möchte. Seid ihr selbst, dann klappt das schon!

„Das wäre mir viel zu stressig“

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass durchaus stressige Situationen entstehen. Wichtig ist hier zu erklären, dass das nicht zwangsläufig etwas Negatives ist. Während der Ausbildung werdet ihr für genau solche Situationen geschult und seid am Ende Profis in eurem Job. Für Außenstehende mag der Beruf des Fluglotsen beim Zusehen daher vermutlich viel stressiger wirken, als er sich für einen selbst anfühlt. Dennoch solltet ihr natürlich eine grundsätzliche Stressresistenz mitbringen und keine Angst davor haben Neues zu lernen. Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob der Job das Richtige für euch ist, könnt ihr euch durch verschiedene Events, die die DFS anbietet, informieren und euch ein besseres Bild von dem Beruf machen. Ansonsten kann ich euch nur raten: bewerbt euch einfach und probiert das Auswahlverfahren aus!

„Mit der Verantwortung könnte ich nicht umgehen“

Verantwortung und Stress werden häufig zusammen genannt. Mit der Verantwortung verhält es sich meiner Meinung nach ähnlich wie mit dem Stress. Man wächst an seinen Aufgaben, dennoch sollte man grundsätzlich dafür offen sein, eine verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen.

„Dafür muss man sich doch richtig gut mit Technik und Flugzeugen auskennen, oder?“

Richtig gut ist natürlich subjektiv, dennoch muss man kein Mathe- oder Technikgenie sein. Grundlegende Mathematikkenntnisse solltet ihr mitbringen und bspw. schnell im Kopf rechnen zu können ist von Vorteil. Das für den Beruf notwendige theoretische Fachwissen lernt ihr während der Ausbildung. Natürlich kann euch alles an fliegerischem Interesse und Kenntnissen helfen und euch den Einstieg erleichtern, es ist am Ende aber nicht entscheidend.

„Ich habe gehört, ihr verdient viel Geld“

Dass das nicht die Motivation sein sollte den Job auszuüben, liegt auf der Hand. Aber ja, als Fluglotsin verdient man ein überdurchschnittliches Gehalt, von dem es sich definitiv sehr gut leben lässt.

„Centerlotsen sitzen in einem fensterlosen Keller“

Das kann ich mit einem klaren Nein beantworten. Unsere Kolleg*innen im Center sitzen zwar ein paar Stockwerke tiefer als wir im Tower, jedoch handelt es sich nicht um einen fensterlosen Keller. Hier in Bremen ist der Kontrollraum im 2. OG und hat rundherum Fenster. Dass die Fenster im Center vergleichsweise klein sind, liegt vermutlich auch daran, dass es wichtig ist, dass die Sonne nicht blendet und die Bildschirme zu jeder Zeit gut erkennbar sein müssen.

„Ihr habt viel Urlaub und Pausen“

Im Vergleich zu einer normalen 40-Stunden-Woche müssen wir weniger arbeiten. Wie viel genau kommt auf die Belastungskategorie an, in der man eingestuft ist. Diese wird anhand der Verkehrsmenge festgelegt, die in dem Sektor bzw. dem Tower herrscht, an dem man arbeitet. Grundsätzlich haben wir sowohl relativ viele freie Tage, als auch kurze Schichten innerhalb eines Dienstes. An meinem Tower arbeiten wir maximal drei Stunden am Stück, danach müssen wir mindestens eine halbe Stunde Pause machen. An anderen Towern oder in anderen Sektoren sind es oftmals nur zwei oder zweieinhalb Stunden, bis eine verpflichtende Pause ansteht.

Dass wir so viel frei haben, sehe ich als einen der größten Vorteile, die der Beruf mit sich bringt. Allerdings lässt sich auch sagen, dass die Pausen und freien Tage für uns sehr wichtig zur Erholung sind, da wir auf der Arbeit wirklich immer zu 100% fit sein müssen.

Jobbezeichnung: Marshaller

Wenn ihr bis hierhin mit dem Lesen gekommen seid, wisst ihr vermutlich bereits viel über den Beruf des Fluglotsen und vor allem, dass wir nicht mit roten Leuchtstäben auf dem Vorfeld stehen. Tatsächlich ist das ein Irrglaube, der sich hartnäckig hält. Die Kolleg*innen, die diesen Job übernehmen heißen Marshaller bzw. Einweiser.

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Eliza

Eliza

Studiengang, Semester ...On the Job Training FVK Bremen Tower

Mein Heimatflughafen ist ...EDDF

Mein Herz schlägt für ...Leichtathletik, Einrad fahren, Katzen

Vor meinem Start bei der DFS habe ich ...BWL studiert

 Die Arbeit im Tower macht total Spaß und ich schätze sehr, dass wir uns im Team gegenseitig unterstützen.

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